Birgit Baier

Birgit Baier - bbuildupnepal e.V.

Eine Frau, zwischen Business und sozialem Engagement

Ein Interview von Pia Koerber mit Birgit Baier

Eine engagierte Businessfrau und Gründerin von bbuildsubnepal e.V. einer Nonprofit-Organisation in Berlin, über Lebensmodelle, Erfahrungen, andere Kulturen, German Correctness, Social Networking und Kommunikationsstrategien von gemeinnützigen Organisationen.

Interview

Stellen sie sich bitte kurz vor

Birgit Baier: Gerne, mein Name ist Birgit Baier, 53 Jahre alt, Foundress und Chairperson von bbuildsupnepal e.V., eine internationale Nonprofit-Organisation aus Berlin.  

Dachten Sie früher, dass Sie einmal das tun werden, was Sie heute tun? 

Birgit Baier: Nicht wirklich. In meinem Leben haben sich Chancen und Wege oft mit der Zeit entwickelt. Zurückblickend kann ich sagen, dass ich durch meine „Open-minded“-Einstellung, also die Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Menschen und Kulturen, immer eine positive Rückkopplung erhalten habe. In meinem Leben ist schon immer Dynamik. Zum Beispiel stand ich oft vor der Entscheidung, für meine berufliche Karriere ins Ausland zu gehen. Ich habe die mir gebotenen Chancen genutzt und blieb manchmal sogar länger als geplant. Ich bezeichne mich als führungsstarke, aber auch querdenkende Businessfrau. Die unterschiedlichen nationalen und internationalen Unternehmen, für die ich in den letzten 25 Jahren gearbeitet habe und die ich auch heute noch berate, haben die Vielfalt in mir geprägt. Ich habe mich immer für Menschen engagiert. Aber dass ich mal einen gemeinnützigen Verein gründen werde, in dieser Tragweite, das hätte ich nie gedacht. 

Was hat Sie im Leben angetrieben, eher die Erfolge oder die Niederlagen?

Birgit Baier und Pia Körber im Gespräch

Birgit Baier: Erfolge und Niederlagen halten sich in meinem Leben die Waage. Erfolge haben mich motiviert. Es hat Spass gemacht dabei zuzusehen, wenn etwas klappt. Und wenn das, was man reingibt auch zurückkommt und eine positive Resonanz erzeugt. Aber genauso haben mich die Niederlagen – und da gab es viele – dazu motiviert, weiterzumachen. Nach dem Motto “fail fast, to win even faster“.

Ich bin eine stolze und ehrgeizige Frau, daher war es am Anfang, als junge Frau, nicht immer einfach Fehler zuzugeben. Dieses Gefühl schwindet aber, wenn man erkennt, dass niemand im Leben fehlerfrei ist – und das Selbstbewusstsein wächst. Ich gehe jetzt sogar noch einen Schritt weiter, und sage: man soll und kann sogar Fehler machen, das ist ganz normal und gehört dazu. Wir lernen alle aus unseren Fehlern, egal ob geschäftlich oder privat. Das Wichtigste ist aber, nach einem Sturz wieder aufzustehen und es beim nächsten Mal besser zu machen. 

In Ihrem Job haben Sie täglich mit anderen Kulturen, Werten und Normen zu tun. Ist die „German Correctness“ hierbei eher hinderlich oder förderlich? 

Birgit Baier: In gewissen Bereichen ist die „German Correctness“ hilfreich, weil wir gelernt haben, Dinge zu strukturieren und sehr fokussiert zu sein. Durch den Fokus verliert man aber leider oft an Flexibilität. Dazu kommt, dass Deutschsein – verallgemeinert betrachtet – oftmals mit Dominanz verglichen wird. Das heißt, es wird so gewertet, als würden wir andere oft dominieren, da wir denken, dass die Art und Weise, wie wir Dinge angehen, das einzig Richtige und Wahre ist.

Ziel sollte es sein, eine Balance zu finden zwischen: „Ich habe das gelernt, weil ich weiss das funktioniert gut und das macht uns das Leben einfacher“ und „ich muss auch Dinge zulassen und andere Sichtweisen und Einstellungen integrieren und akzeptieren.“ In meinem ganzen beruflichen Dasein hat mir mein deutscher Pass und meine Korrektheit immer eher geholfen, wobei ich aber auch zugeben muss, dass es einige Punkte in meiner Karriere gab, wo ich lernen musste, dass es besser ist, wenn ich mich zurücknehme.  

Wie wichtig ist Social Networking in unser heutigen Zeit? 

Birgit Baier: Total wichtig. Ich kann es mir heute gar nicht mehr wegdenken. Viele Leute sagen: „das reale Leben existiert nur offline“, aber für mich ist reales Leben offline und online. Ich nutze seit Jahren Social Media, mir fällt auf, dass viele Leute den Umgang von Social Media nicht optimal beherrschen. Wir sollten mit offenem Blick auf das Thema schauen und soziale Medien noch effizienter gestalten. Es kommt halt darauf an, mit welchem Ziel wir Social Media nutzen und wie. Das bedeutet, wir haben alle die Möglichkeit, die Kommunikation positiv zu steuern. Social Media darf nicht zum Fast Food Produkt werden. Denn ich habe das Gefühl, es wird zu schnell konsumiert, es wird zu flach und hat nur noch wenig Mehrwert. Aber im Großen und Ganzen ist es eine tolle Sache, das man sich mit jedem Menschen auf der ganzen Welt verbinden kann.

Unser bbuildsupnepal e.V. würde ohne Social Media gar nicht funktionieren. Das erste Mal, vor fast genau drei Jahren, in der Transsibirischen Eisenbahn nach Nepal, zur Zeit des Erdbebens, habe ich aus dem Zug mit einem Nepali über Facebook Messenger telefoniert. Die Kommunikation in unserem Verein funktioniert unter anderem über Social Media und E-Mail, wir gewinnen Freunde und Förderer und generieren Fonds über Social Media, also ohne diese Tools, wäre vieles nicht machbar. Diese Form der Kommunikation ist Teil des heutigen Lebens. 

Welche Sozialen Netzwerke benutzen Sie geschäftlich und privat? 

Birgit Baier: Ich bin auf vielen Plattformen aktiv. Für die geschäftlichen Dinge benutze ich LinkedIn und Xing. Privat auch Facebook und Instagram, WhatsApp, YouTube, Telegram und meinen Blog. bbuildsupnepal e.V. ist auf all diesen Channels zu finden, das ist wichtig, denn wir brauchen eine gewisse Bühne, um auf uns aufmerksam zu machen – man sieht es klappt! 

Birgit Baier - bbuildupnepal e.V.
Birgit Baier, bbuildupnepal e.V., im Interview mit Pia Koerber

Welche Skills haben Sie in Ihrer Ausbildung gelernt, die Ihnen heute zugute kommen? 

Birgit Baier: Für mich hat der Begriff „Ausbildung“ zwei Seiten, die schulisch-akademische Ausbildung und die private Entwicklung, beide prägen unterschiedlich. 

Mein Berufseinstieg als staatlich anerkannte Kommunikationsfachfrau hat mir damals den kompletten Werkzeugkasten an die Hand gegeben und mich zur Allrounderin gemacht. Gepaart mit der harten Schule des Berufslebens als CEO und der Erfahrung mit großartigen Kolleginnen und Kollegen ist das aus mir geworden, was ich beruflich bin. Mein Fazit hier: Für mich ist es veraltet, in Unternehmen noch „Top Down“-Strategien anzuwenden. Das funktioniert heute nicht mehr. Dauerhaft werden agile Organisationen erfolgreich sein. Agilität ist gelebte Basisdemokratie mit klaren Regeln.

Hinzu kommen meine Reisen – sie haben mich auf unterschiedlichste Weise beeinflusst und geprägt, meinen Horizont erweitert. Ich durfte neue Kulturen, Riten und Werte kennenlernen. Ich habe Menschen auf meinen Reisen getroffen, die mich berührt und mir gezeigt haben, dass das Leben aus mehr besteht, als aus Meetings, Statussymbolen und Leistung. Ich habe gelernt, dass es ok ist, Fehler zu machen und diese auch zuzugeben – das ist sogar sehr wichtig. Man muss nicht alles können. Heute geht es immer häufiger darum, die richtigen Leute zusammen zu bringen. Das geht nicht immer: Das, was wir in Deutschland als „normal“ betrachten, gibt es in vielen anderen Ländern nicht. Mangelware. Die Kunst für mich war und ist, mich in einem solchen Umfeld schnell anzupassen und mich zu arrangieren.

Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten und nur zusammen können wir Dinge bewegen. 

Was würden Sie der Generation unter 35 gerne mit auf den Weg geben?

Birgit Baier: Stay hungry  – be smart – be cosmopolitan !

Und die Anerkennung, dass sich gewisse Dinge verändern – so wie der Körper sich verändert, verändert man sich auch selbst und die Gesellschaft. Man sollte keine Angst vor Veränderungen haben. Junge Menschen sollten sich ab und an Zeit nehmen und ein Buch zu lesen. Der direkte Dialog zu anderen Menschen und Kulturen ist wichtig, genauso wie die Tatsache sich selbst Zeit zu geben, auch offline.

Akzeptanz ist hilfreich! Die direkte Auseinandersetzung mit seinem Gegenüber ist unabdingbar. Nicht hinter Technologien verstecken – reden! Nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht. Offen zu sein für Dinge, die man nicht kennt – und verständnisvoll, wenn Dinge nicht so laufen, wie geplant. Etwas zu bewegen bedeutet Veränderung, und vor Veränderungen haben viele Angst. Veränderungen bedeuten Unsicherheit, weil man das Andere nicht kennt. Stellt Euch Eurer Angst und tretet dem Unbekannten gegenüber, so lernt ihr, mit der Angst umzugehen und das Unbekannte kennen.

Des Weiteren bin ich der festen Überzeugung, dass uns das Land nicht gehört, in das wir hineingeboren worden sind. Offenheit! Es gibt Regeln in jeder Gesellschaft und das ist auch gut so.  Jeder sollte sich an Regeln halten – vorausgesetzt, sie machen Sinn. Ich habe das auch gemacht, als ich in anderen Ländern gelebt habe. Regeln sind wichtig, aber sie müssen nicht immer starr sein. Zudem bin ich der Überzeugung, dass wir alle durch „Diversity“, besonders im geschäftlichen Umfeld, viel lernen können und dadurch wesentlich produktiver sein werden. Durch unterschiedliche Denk- und Sichtweisen entwickeln wir uns weiter, schaffen andere Verbindungen, Synergien, Denkanstöße und Lösungen. 

Vielen Dank für das Interview.


Zur Person: 

Birgit Baier (53) ist Foundress & Chairperson von bbuildsupnepal e.V., einer Non-Profit-Organisation in Berlin.

Der bbuildsupnepal e.V.  hat es sich zum Ziel gesetzt, für Kinder ein besseres Leben in Nepal zu verwirklichen. Nach einer über 25-jährigen Karriere als Top-Führungskraft weltweit bekannter Digital Agenturen, Consulting-, Software- und Design-Unternehmen und mehrfach erfolgreichen Aufbau- und Sanierungsprojekten in Europa und Asien widmet sich Birgit Baier heute neben ihrer Charity-Organisation der Betreuung ausgewählter Kunden im Geschäftsbereich „Digitale Transformation“.

Kontakt:

Bitte unterstützen Sie die Organisation bbuildsupnepal e.V. mit Ihrer Spende.

Chairperson: Birgit Baier
bbuildsupnepal e.V.
Rudolf-Reusch-Straße 23f
D-10367 Berlin 

birgit@bbuilsupnepal.com
www.bbuildsupnepal.com
www.facebook.com/bbuildsupnepal 

 

 

 

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